fifty shades of green
azoren 2019

 

são miguel
flores

corvo

faial

pico

são jorge

flight cancelled

Frankfurt 

2. Juni 2019

Es ist mal wieder zum kotzen. Da steht man trotz Online-Checkin drei Stunden in der Schlange, weil alles nur zäh abgefertigt wird und dann erfährt man beim späten Mittagessen über den Bildschirm "flight cancelled". Am Check-In bringen es die PR-Profis dann auch noch fertig, jeden einzeln über die Lage zu informieren, weil keine Flüstertüte verfügbar ist. Das hätte dann bestimmt nochmal drei Stunden gedauert, wenn nicht ein paar vorn stehende Fluggäste mal ordentlich Krach gemacht hätten. Einer von denen hat sich es dann angehört und es lautstark in die "Welt" verkündet - geht doch!

Auf Übernachtung am Frankfurter Flughafen haben wir keine Lust, das wäre ein verlorener Urlaubstag. Meine Frau bucht kurzerhand über booking.com im Frankfurter Hof eine Nacht. So machen wir einen Abendspaziergang am Main, gehen nett essen und schauen uns am anderen Morgen die Altstadt und das Bankenviertel an. So wird doch noch ein Urlaubstag daraus. Das mit der Kosten(teil)erstattung regeln wir später.

Am nächsten Tag dann die gleiche zähe Abfertigung, obwohl wir die Koffer dort lassen konnten. Ich weiß nicht was da los ist, in Frankfurt. In Portugal habe ich sowas dann nicht mehr erlebt, alles war schnell und unkompliziert.

Wenn mal der Wurm drin ist, dann natürlich richtig. Erst kommen wir wegen der lahmen Abfertigung in ein Gewitter, weshalb sich der Start verzögert, dann sitzen wir wegen des unvermeidlich hohen Startaufkommens erneut wegen des zweiten Gewitters fest. Drei Stunden später als geplant, heben wir endlich ab.

Hoffentlich geht das nicht so weiter...

der wein ist schuld

são miguel

3.-4. Juni 2019

Wir kommen gegen 20 Uhr in Ponta Delgada an, nach allen Abfertigungsmodalitäten sind wir um 21.15 an unserer Unterkunft. Das ist schon ziemlich spät, wir haben einen Riesenhunger, die Dame dort reserviert uns im besten Fischrestaurant am Fleck noch einen Platz. Wir müssen uns sputen, weil bald die Küche schließt. Dank der exzellenten Beschreibung finden wir das Restaurant sofort.

Es ist ein schmuckloses, großes Restaurant, eher für Einheimische. Wir bestellen Tagesfang, gegrillt. Dann wird erst mal der gröbste Durst mit zwei großen Bieren gestillt. Der Fisch ist nicht schlecht, aber recht stark gesalzen und von Röstaromen keine Spur.

 

Dafür ist der eiskalte Hauswein, in halbliter Rationen serviert, zum "reinlegen". 1 1/2 Liter gehen da schon weg. Zum Glück haben wir ein Auto... wir reservieren, trotz des mäßigen Fischs, für den nächsten Abend gleich nochmal. Der Wein ist schuld, den wollen wir nochmal, und den Tagesfang müssen wir ja nicht nochmal bestellen.

Leider hat die Insel inzwischen viel von ihrem ursprünglichen Charme verloren, was hauptsächlich am inzwischen auch hier sehr hohen Touristenaufkommen liegt. Konnte man früher noch einige Flecken zu jeder Tages- und Nachtzeit besuchen, sind jetzt - nicht selten unzureichende - Parkplätze, Schlagbäume, Zäune, Gängelungs-Verbots-Schilder, Kassierhäuschen und mehr aufgestellt. Vor der offiziellen Öffnung "kummscht du nit rein", danach "hascht kein Bock mehr", weil die Hölle los ist. Schade, aber unter diesen Umständen ist der verlorene Tag wenigstens noch zu verschmerzen.

"ilha verde"

flores

5.-9. Juni 2019

Nun wissen wir es also: Flores wird nicht mit "sch" am Ende ausgesprochen, wie sonst so vieles im portugiesischen; jedenfalls von keinem Azorianer, und die müssen es schließlich wissen.

Ein Platz für junge Romantiker ist das, die Aldeia da Cuanda. Das kleine Dorf, das in den Sechzigern endgültig verlassen wurde und im wesentlichen von Eidechsen und Geckos bewohnt vor sich hin siechte, wurde Ende der Siebziger für den Tourismus neu entdeckt und konsequent retro-orientiert wieder aufgebaut. Die 17 Hütten wurden architektonisch im Originalzustand belassen, allerdings mit Elektrizität, Kühlschrank, Mikrowelle und Luftentfeuchter versehen. Vor allem der Letztere ist wichtig: Es ist alles deutlich fühlbar klamm, ein Tribut, der wohl der fehlenden Unterkellerung geschuldet ist. 

Das romantische und hübsche Fleckchen sei allerdings nur Jungen oder Jungebliebenen empfohlen. Die Wege sind völlig rollatoruntauglich, bestenfalls noch mit einem Quad zu befahren, begehen sollte man sie nur mit wandertauglichem Schuhwerk. Und zu lange oder gar die ganzen Ferien wollte ich dort auch nicht bleiben: nach fünf Nächten darf es dann durchaus mal wieder etwas modernes, trockenes sein.

Ich hasse Rindviecher auf der Straße und ich meine jetzt wirklich die mit Fell und Hörnern. Mit anderem Getier wie Schafen, haben wir nun wirklich genug Erfahrung aus Island und Schottland. Ein Schaf ist immerhin so intelligent, dass es weiß, dass es den kürzeren zieht, und so verhält es sich auch, meistens jedenfalls. Ein Rind dagegen glaubt, dass es eigentlich sowieso nicht ausweichen muss, um sich dann irgendwann für die stressfreie Ausweichtaktik und im unmittelbar nächsten Moment wieder dagegen zu entscheiden. Am schlimmsten ist es, wenn sich Rind und Autofahrer in der gleichen Richtung bewegen wollen. 

Eigentlich haben wir gutes Wetter, Sonnenschein bei 22°. Man könnte von Idealbdingungen reden. Wenn man allerdings die 84% relative Luftfeuchtigkeit miteinbezieht, befindet man sich gefühlt in den Tropen. Das aber nur bis zur nächsten schattenspendenden Wolke mit Windböe. Dann ist es, verschwitzt wie man ist, schon weider zu kalt. Das sind Bedingungen, wo man sich schnell eine Erkältung holen kann.

corvo

Mit den Zodiacs ist das immer so eine Sache. Einerseits sind sie sehr wendig, schnell und rundum gepuffert, andererseits können diese wegen des flachen Bodens bei entsprechendem Seegang auch recht unangenehm werden. Dies insbesondere dann, wenn der Skipper ein Testosterongesteuerter Junghahn ist und auf dem Boot hauptsächlich Junghühner transportiert werden, wie bei unserer letzten Wale-Watching Tour 2002. In Erinnerung geblieben sind mir keine Wale oder Delfine, sondern nur, dass ich hinterher zwei Monate lang mit Rückenschmerzen zu kämpfen hatte. 

Nein, wir wollen eigentlich die Fähre nehmen, allerdings hatten wir es unterlassen, frühzeitig zu buchen, es ist schließlich sinnvoll erst mal das Wetter abzuwarten. Nun, wir haben zu lange gewartet, die Fähre ist an allen verfügbaren Tagen ausgebucht. Die Resortleiterin im Aldeia da Cuada nimmt sich der Sache an und hat sehr schnell ein Angebot. Eine Tour von Santa Cruz entlang der Küste mit Besuch mehrerer Höhlen und Wasserfälle, dann die 14 km über's offene Meer nach Corvo und am Nachmittag zurück. Klingt ganz toll und ist es auch, hat aber einen Haken: Es ist natürlich ein Zodiac.

Zum Glück kann ich mich mit meiner Frau einigen. Ich will unbedingt nach Corvo, sie will unbedingt nach Corvo. Wir haben Riesenglück mit dem Wetter. Auf dem offenen Meer ist es fast windstill und bewölkt, auf dem Krater dann zieht es auf, so dass wir eine schöne kleine Wanderung machen können, in Vila do Corvo wird es dann richtig heiß, um dann bei der Rückfahrt wieder zuzuziehen und damit für angenehme Temperaturen zu sorgen.

Fazit: Wer ein paar Tage auf Flores verbringt, sollte unbedingt auch Corvo besuchen. Die 75 Euro pro Nase sind es wirklich wert.

"weltskipperinsel"

fajal

Santa Cruz das Flores - Faial - Horta
10-12. Juni 2019

Der Flug ist erneut pünktlich, wir sind extrem schnell abgefertigt. Hier in der Provinz scheint das alles einfacher zu sein, als in Frankfurt. 

Man spürt sofort, dass Faial gänzlich anderer Natur ist, als Flores. Diese Stützpunktinsel für Weltumsegler ist nachhaltig davon geprägt worden. Nachhaltig geprägt wurde diese Insel leider auch durch schlimme, teilweise sogar verheerende Erdbeben, insbesondere jenes von 1998. Das ist noch gar nicht so lange her. 

Viele Menschen, noch den Vulkanausbruch von 1958 im Gedächtnis, hatten damals endgültig die Nase voll und sind nach Amerika ausgewandert. Erst nach und nach, nicht zuletzt durch den in den 2000ern verstärkt aufkeimenden Tourismus, konnte sich wieder etwas Wohlstand verbreiten

Unsere Unterkunft, die Villa Belgica, liegt auf halber Höhe etwas außerhalb von Horta, mit großartigem Blick auf Pico. Alles ist hübsch gemacht, trocken, die Besitzerin äußerst freundlich und zuvorkommend.

Wir besuchen den  Krater, der allerdings mit dem in Corvo nicht ganz mithalten kann. Erstens darf man nicht so ohne weiteres runter, zweitens hat er kein Wasser am Grund. Er ist natürlich trotzdem sehr lohnend.

Abends gehen wir im El Genuino essen. Schon mal von diesem Portugiesen gehört, der zwei Mal solo um die Welt gesegelt ist, einmal davon um das Kap Horn? Genuino Madruga heißt er, Baujahr 1950 und hat das 2000 und 2007 gemacht. So ein Typ muss quasi genau in Horta ein Restaurant aufmachen. Und es ist gut, jedenfalls mein Oktopus nach Art der Hausmutter. Und wir durften diesem ausgesprchen sympathischen Menschen die Hand schütteln.

"ilha dos baleeiros"

pico

13.-17. Juni 2019

Pico ist die zweitgrößte Insel des Archipels, mittendrin dominiert dann auch noch der höchste Berg Portugals, so dass man ihn selbst von Terceira und Graciosa aus noch sieht, obwohl São Jorge dazwischen liegt. 

Unsere Unterkunft, die Villa Four Seasons, ist hübsch, modern, geräumig, kurzum die Beste die wir auf den Azoren haben sollten.

Im Aço wird zu Mittag gegessen. Es gibt ein einfaches Mittagsbuffet, aber die wenigen zur Auswahl stehenden Optionen sind alle sehr gut. Besonders auffällig ist die Hübsche, fast einmeterneunzig große Bedienung. Sie ist in Brasilien aufgewachsen, jetzt Handballspielerin in einem schwedischen Topligateam und erholt sich gerade von ihrem veletzten Knie bei der Verwandschaft auf Pico.

Leider ist auf Pico, abgesehen vom ersten Tag, die ganze Zeit das sehr schöne Hochland spätestens ab Zehn verhangen, meistens sogar regnet es. An eine Besteigung des Pico, auf dem man vielleicht die Chance hätte über den Wolken zu sein, ist aufgrund meines angebrochenen Zehens nicht zu denken, schon der harmlose Abstieg in den 300 Meter tiefen Krater von Corvo war ziemlich grenzwertig. So sind wir leider viel mehr an die Küstenstriche gebunden als uns lieb ist.

Wir versuchen es trotzdem, ein  paar nette Momente ergibt auch das, besonders ein Kalb mit Blick und  Frisur wie Boris J. weckt unser Interesse. 

Immerhin gibt es auf Pico auch zahlreiche sehenswerte Museen. Wir fangen beim Walmusum in Lajes do Pico an. Und nachdem wir schon mal dort sind, buchen wir für den nächsten Tag eine Whalewatching-Tour beim Espaço Talassa.

Warum sie ausgerechnet Pottwale gejagt haben? Dafür gibt es im Wesentlichen drei Gründe. Erstens sind diese in azorischen Gewässern recht häufig, zweitens schwimmt ein toter Pottwal oben und zieht damit nicht das kleine Boot nach unten und drittens kann man den Pottwal komplett, ohne Abfall, verarbeiten.

Ohne hier in den Fingerzeigmodus schalten zu wollen: Ich bin froh, dass diese Schlachterei Mitte der Achtziger ein Ende hatte. 

Trotzdem muss jedem klar sein, dass der Walfang bis dahin dafür sorgte, dass die Menschen sich dort wenigstens ein bisschen mehr als das schier Überlebensnotwendige gönnen konnten. Von einem gewissen Lokalheldentum natürlich ganz zu schweigen. Ein paar Eier muss man schließlich schon haben, wenn man auf die Idee kommt auf einer sieben Meter langen Nussschale einen zwölf bis zwanzig Meter langen Pottwal zu erlegen. Hier gibt es einen recht guten Film zu diesem Thema, zwar auf Portugiesisch, aber die Bilder sprechen für sich.

Das mit der gebuchten Walbeobachtungstour wird nichts, es stürmt und regnet wie verrückt. Der Veranstalter meldet isch rechtzeitig bei uns und wir verschieben die Tour um einen Tag. So haben wir endlich Zeit die zu einem Museum umgebaute alte Walfabrik in São Roque und die Lavahöhlen auf der Westseite zu besuchen. Beides ist auf seine Art unbedingt sehenswert.

Am nächsten Tag wird die Walbeobachtungstour erneut auf 11 statt 9 Uhr verschoben, dann aber findet sie trotz immer noch recht starkem Wind tatsächlich statt. Es ist kein Zodiac, aber eine ziemlich kleine Nussschale mit einem Oberdeck in dem der Steuermann sitzt. Da wollen wir rauf, obwohl wir genau wissen, auf was wir uns da einlassen. Da wir in der Schlange ziemlich weit hinten stehen, haben wir die Chance dorthin zu kommen schon fast abgeschrieben. Aber die anderen wissen wohl auch, was sie tun. Jedenfalls will da keiner rauf, das ist unsere Chance. Wir sehen eine Menge Seiwale und auch einige Delfine. An Fotografieren ist allerdings kaum zu denken. Das Schiff schwankt so erbärmlich, das man hauptsächlich damit beschäftigt ist, sich irgendwo festzuhalten. Unten wäre das sicherlich angenehmer, allerdings wäre die Sicht nicht so gut. Wenn ich die Würgegeräusche da unten höre, weiß ich dass wir auf jeden Fall am richtigen Ort sitzen.

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Fotostrecke São Miguel
inkl. einiger Fotos von 2002 und 2005

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Fotostrecke Flores & Corvo

Fotostrecke Faial

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Fotostrecke Pico

dragon island

são jorge
18.-21. Juni 2019

Dragon-Island? Nein, es gibt hier leider keine Drachen. Die Insel ist etwa 60 Kilometer lang und sieben breit, und ragt mit ihren vielen alten Vulkankegeln wie ein Drachenrücken aus dem Meer. Jedenfalls verwendete die Besitzerin der Quinta de São Pedro diesen Begriff.

Wir starten mit drei Stunden Verspätung in São Roque auf Pico. Die Fähre musste wegen eines Schadens, den sie sich während der stürmischen letzten Tage zugezogen hatte, repariert werden und die Eingriffe dauerten wohl länger als geplant. Immerhin gibt uns das eine letzte Gelegenheit, den Pico noch einmal vom Lagoa do Capitão aus zu sehen. Und tatsächlich, der Himmel hat sich gegenüber den letzten Tagen leicht geöffnet. Ein Versteckspiel, mit winzig kurzen zeigen des "Gesichts" ist es trotzdem.

Unser Haus in der Quinta de São Pedro entstand aus einer Erweiterung des Plumpsklos aus dem 19 Jahrhundert. Das zweigeschossige, geräumige Häuschen ist in der Tat sehr hübsch. Weshalb aber ausgerechnet die Mauern der Toilette 60 cm dick sind und die des Hauses 30, erschließt sich mir nicht.

Kameras: Nikon Z7 & D500 und verschiedene Objektive
 

highlights azoren 2019

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Fotostrecke São Jorge

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