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Mirrorless oder "revival of manual"?

Ich muss etwas ausholen. Neulich waren wir bei einem Vortrag von Michael Martin, ihr wisst, dieser Typ der mit Autoschiebereien nach Afrika angefangen hat um seine Reisen dorthin zu finanzieren, später mit seinem Motorrad alles was nach Wüste roch unsicher machte und jetzt zudem tolle Fotobücher und Vorträge anbietet. Das Thema war "Abenteuer Fotografie". Er erzählte in einer auch für Nicht-technophile spannenden Art von seinem fotografischen Werdegang in Zusammenhang mit der sich weiterentwickelnden Technik von Film und Foto über Minolta zu Leica bis zur recht spät vollzogenen Digitalen "Wende" mit der Nikon D4 und jetzt D5. Vor allem zum Wechsel von Minolta zu Leica konnte er glaubhaft machen was das doch für eine andere Welt war. Endlich scharfe und kontrastreiche Bilder!


Ich bin 14 Jahre nach der AF7000/Dynax von der Nikon FE auf mein erstes SLR-AF-System umgestiegen, an der damaligen Fuji S2. Und was hat mich selbst dieser F80-AF (als 2000er Konzept immerhin um 14 Jahre jünger und sicher besser als jener der 86er AF7000/Dynax) noch genervt. Das schlimmste an diesem war nicht mal der AF selbst, sondern dass man keine vernünftigen optischen Kontrollmöglichkeiten hatte. Schnittbild adé, großer Sucher adé, Live View gab's noch nicht, einzige Kontrollmöglichkeit war eine Art aufleuchtender Punkt, wenn bei der manuellen Verstellung das AF System meinte, das Bild wäre scharf.

Man, dann kann ich gleich die AF-Taste drücken, dann wird der Mist wenigstens mit größerer Geschwindigkeit produziert! Was habe ich alles ausprobiert, inklusive anderer Mattscheibe, letzten Endes habe ich nur Geld verbrannt ohne mich dabei zu wärmen.


Ich konnte den Mann nur zu gut verstehen, allerdings glaube ich, dass die größte Verbesserung bei der Leica in diesem Fall nicht die Objektive waren, sondern der fehlende AF mit den damit verbundenen solide konstruierten und funktionierenden optischen Kontrollmöglichkeiten. Ich kann mich noch gut an die 80/90er Lästereien auf der Photokina erinnern: "Autofocus"? Lies mal laut "Out of Focus". Aber das nur nebenbei.


Prinzipiell hat sich zwischenzeitlich daran gar nicht so viel geändert, allerdings sind die AF-Systeme um so vieles besser geworden, dass man sie kaum noch abschalten muss. Aber wehe man muss/will dann doch oder hat ein altes Sahnestück ohne AF. Im besten Fall hat man diese Kontrollmöglichkeiten bei den neueren Modellen noch über das (Klapp)display.

Ganz anders bei Mirrorless. Das ist eine ganz andere Welt. Ich jedenfalls habe endlich das lang ersehnte Präzisionsinstrument in der Hand. Es wird dort gemessen wo das Bild entsteht, auf dem Chip. Keine dejustierbare unter einem halbdurchlässigen Spiegel verklemmte Einheit, die verdreckt sein kann, kein Theater mit problematischem Strahlengang, Randabschattung, zu kleiner Anfangsblende und irritierter Phasendetektion. Ich musste noch nicht eine AF-Justierung durchführen. Sucherlupe? FN-Taste mit Zoom auf 200%, so präzise konnte man nicht mal mit dem besten Schnittbildindikator scharf stellen, schon deshalb nicht, weil dieser nicht die manchmal nicht hundertprozentige Filmplanlage berücksichtigen konnte.

Allgemeine Schärfeverlaufsbeurteilung? Kein Problem, Stichwort Focuspeaking. Diese Welt ist zumindest von der Bedienung her schlank und präzise. Diese Welt ist zwar auch (noch) etwas langsamer als die besten konventionellen Systeme. Aber nicht so langsam, als dass das für mich auch bei dynamischen Objekten ein Problem wäre. Und wichtig dabei: Ich habe das im Sucher und nicht auf dem fummeligen Klappdisplay - das ich zwar trotzdem habe und für wichtig halte - auf dem ich bei hellem Licht kaum noch was erkennen kann.


Ich kann auf das Ding das wildeste Optische Zeug kloppen und es funktioniert, verlässlich. Das 0,95/58mm Objektiv ist dir zu langweilig und lichschwach? Violá: Ein 0,75/42mm TV Heligon für die Scharf-ist-für-Spießer-Fraktion? Kein Problem. Ein Umbau eines 1963er 55mm Micro-Nikkors zu einem Tilt-Objektiv? Kein Problem, der Platz zwischen F- und Z- Anschluss kann auch für was anderes als den FTZ Adapter genutzt werden. Ein bissel konstruieren, 3D-Drucker an, warten und Fotografieren.


Außerdem ich habe sogar beim ältesten Kram noch VR, dank des IBIS. Und unter dem "ältesten Kram" gibt es sehr nette Dinge, die auch noch günstig zu haben sind und im Zweifelsfall genauso schnell wieder ohne Verlust verkauft sind!

Oder die Matrixmessung, die nicht selten zunächst kaum nachvollziehbare Dinge macht, die man zwar "erlernen" kann, aber dann doch wieder am Korrekturknopf drehen muss, weil die Kamera nicht das macht was ICH will? Pfeif' drauf - ich schalte gleich auf Manuell, wozu habe ich EVF und live-Histogramm?


Das alles ist zwar noch nicht perfekt und in vielen Punkten verbesserbar, aber man kann damit schon jetzt wunderbar arbeiten.


Ja, jetzt ist wieder alles wie früher, bloß viel besser ... "viva la mano"


W.D.

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